Altes HüttenAreal Neunkirchen

Anfang Juni 2014 unternahm ich eine mehrtägige Reise ins Saarland.

Mein erstes Ziel war Neunkirchen. Dort befindet sich ein 1982 stillgelegtes Hüttenwerk, dessen Überreste heute in eine Parkanlage, das „Alte HüttenAreal Neunkirchen„, eingebunden sind. Die verbliebenen Anlagen stehen heute unter Denkmalschutz. Teil der Besichtigung war eine Hochofenführung.

In early June of 2014, I made a trip to the Saarland that took several days.

My first destination was Neunkirchen. The city is home to a former ironworks plant that was decommissioned in 1982. Its remains have been integrated into a park, called „Altes HüttenAreal Neunkirchen“. The remaining installations are under monument protection today. Part of my sightseeing was a guided tour onto one of the blast furnaces.

So präsentiert sich das AHA vom Berg. Wieso hat mich niemand gewarnt, dass das Saarland so viele Berge hat?

Links der noch aktive Gasometer, rechts von der Mitte ein Schornstein, daneben ein Winderhitzer, Hochofen 6 und dahinter der Wasserturm sowie, rechts außen, Hochofen 2.

This is what the AHA looks like from the mountainside. Why did nobody warn me that there are so many mountains in the Saarland?

To the left you can see the still active gas holder; to the right of the center, there’s a smokestack, then a Cowper stove, blast furnace no. 6 and behind it the water tower, and, to the far right, blast furnace no. 2.

Der Beginn eines wiederkehrenden Problems: „Warten, bis möglichst keine Menschen oder fahrenden Autos im Bild sind.“

Das AHA fotografiert vom Kreisverkehr neben der Blies. Im Hintergrund der Gasometer, davor Hochofen 2 und links daneben einer der Winderhitzer von Hochofen 6.

The beginning of a recurring problem: „Waiting until there are no people or moving cars in the way, if possible.“

The AHA as seen from the roundabout next to the Blies. The gas holder is in the background, blast furnace no. 2 in front of it, and to the left one of the Cowper stoves of blast furnace no. 6.

Noch mal vom Berg, diesmal näher dran. Im Vordergrund die alten Meisterhäuser, dahinter Hochofen 6, der Wasserturm und Hochofen 2. Rechts neben der Ampel erkennt man außerdem das Saarpark-Center.

Once again from the mountainside, this time closer up. The buildings in the foreground are old worker homes, behind them are blast furnace no. 6, the water tower and blast furnace no. 2. To the right of the traffic light, there’s the Saarpark-Center shopping mall.

Aus der anderen Richtung: Saarpark-Center links, in der Mitte Hochofen 2 und daneben der Wasserturm.

From the opposite direction: The Saarpark-Center to the left, blast furnace no. 2 in the center, and the water tower to the right.

Hochofen 2 von der Bahnhofstraße aus gesehen.

Blast furnace no. 2 as seen from the Bahnhofstraße.

Hochofen 2 thront über dem Saarpark-Center. Angesichts eines solchen Stadtbildes erklärt sich, wieso ein Abriss nicht in Frage kam.

Blast furnace no. 2 towers above the Saarpark-Center. Considering such an iconic landmark, it’s no wonder why demolishing the furnace wasn’t a viable option.

Das AHA fotografiert von einem der Parkplätze des Saarpark-Centers.

The AHA as seen from one of the Saarpark-Center’s parking lots.

Ein paar weitere Eindrücke von Hochofen 2. Wie man sehen kann, wurde am früheren Standort der Hochöfen 3, 4 und 5 ein Parkplatz errichtet. Links unten auf dem letzten Bild ist ein neuer Anbau des Wasserturms zu erkennen, in dem mehrere Kneipen und Restaurants untergebracht sind. Auch die berüchtigte Kette „Hooters“ war hier einst zu finden, jedoch hat das betreffende Restaurant mittlerweile den Besitzer gewechselt.

Das vierte Foto zeigt die letzten noch vorhandenen Blasformen von Hochofen 2. Diese dienten dazu, den Heißwind aus den Winderhitzern in den Hochofen einzuführen. Ähnlich wie man für einen Grill Holzkohle und Heißluft (einige Leute nutzen hierfür einen Fön oder ein Heißluftgebläse, auch wenn dies mit einem gewissen Sicherheitsrisiko verbunden ist) verwendet, benötigt ein Hochofen Koks und „Wind“, der in den Winderhitzern erhitzt wird. Während des laufenden Betriebes sind solche Blasformen rund um den gesamten Hochofen angebracht, jedoch sind davon heute leider nur noch drei übrig.

Some more impressions of blast furnace no. 2. As you can see, a parking lot has been built in place of the former location of blast furnaces no. 3, 4 and 5. To the lower left on the last photo, a new addition to the water tower can be seen, which houses several bars and restaurants. The infamous chain „Hooters“ also used to have a spot here at one point, but the restaurant in question has since changed owners.

The fourth photo shows the last remaining tuyeres of blast furnace no. 2. These were used to blow the hot wind from the cowper stoves into the blast furnace. Similar to how a barbecue grill uses charcoal and hot air (some people use a hairdryer or a heat gun, even though this comes with a considerable safety risk), a blast furnace requires coke and „wind“, which is heated in the Cowper stoves. During the operation of a blast furnace, the tuyeres are attached around the entire furnace, but now there are only three of them left, unfortunately.

Eine Schautafel mit Informationen zu Hochofen 2.

A chart with information on blast furnace no. 2.

Kommen wir nun zu Hochofen 6.

Wer sich ein wenig mit Hochöfen auskennt, wird bereits festgestellt haben, dass sowohl bei Hochofen 6 als auch bei Hochofen 2 viele Nebenanlagen verschwunden sind. Insbesondere fehlt die Abstichhalle. Hochofen 2 hat außerdem seine Winderhitzer verloren, es stehen nur noch zwei der Winderhitzer des abgerissenen Hochofen 1. Dafür hat wenigstens Hochofen 6 noch alle drei. Hochöfen verfügen in der Regel über drei Winderhitzer: Der erste wird durch Hinzugabe von Gichtgas aus dem Hochofen aufgeheizt, anschließend wird die Gichtgaszufuhr in den nächsten Winderhitzer umgeleitet und der erste Winderhitzer wird durch hinzugeführten Kaltwind abgekühlt. Der dabei entstehende Heißwind wird dann über die Heißwindringleitung in den Hochofen eingeblasen. Da das Aufheizen länger dauert als das Abkühlen, sind drei Winderhitzer nötig.

Let us now turn our attention towards blast furnace no. 6.

Anyone who knows anything about blast furnaces will have already noticed that both blast furnace no. 6 and no. 6 are missing a lot of their secondary structures. Most notably, the casthouse is missing. Blast furnace no. 2 even lost its Cowper stoves, all that’s left are two of the Cowper stoves of the demolished blast furnace no. 1. At least blast furnace no. 6 was allowed to keep all three of his. Blast furnaces usually have three Cowper stoves: The first one is heated up by adding gas from the furnace. Subsequently, the gas is rerouted to the next Cowper stove, while the first one is cooled down again by adding cold wind. The hot wind generated that way is blown into the blast furnace through the bustle pipe. Since heating up a Cowper stove takes longer than cooling it down again, three are required.

Auch die Verbindungsrohre zwischen den Winderhitzern und den Hochöfen sind demontiert worden.

The pipes connecting the Cowper stoves to the blast furnaces have also been deconstructed.

Lasst uns nun den Hochofen erklimmen. Zu beachten: Hochofen 6 ist nur im Rahmen von Führungen zugänglich. Die Führungen finden von März bis Oktober jeden ersten (10 Uhr) und dritten (15 Uhr) Sonntag im Monat statt. Treffpunkt ist die Stumm’sche Reithalle. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Führung kostet pro Person 3 Euro. Mehr Informationen findet man auf der Webseite der Stadt Neunkirchen. Da es auf dem Hochofen teilweise sehr eng ist, besteht Helmpflicht! Helme werden vor Beginn der Führung zur Verfügung gestellt.

Now, let’s climb the furnace, shall we? Please note: Blast furnace no. 6 is only accessible as pat of guided tours. Tours take place every first (10 AM) and third (3 PM) Sunday of a month between March and October. Meeting point is the Stumm’s riding hall. Reservations are not required, the tour costs 3 Euros per person. More information can be found on the city of Neunkirchen’s website (in German language only). Because there are a lot of tight spaces on the blast furnace, wearing a helmet is mandatory! Helmets are provided at the beginning of the tour.

Die Gichtbühne des Hochofens. Die Technik in Neunkirchen ist deutlich veraltet, die Begichtung erfolgte hier noch per Senkrechtaufzug. Die Erzkübel wurden über eine Hägebahnanlage zum Fülltrichter transportiert. Der Hochofen wurde immer abwechselnd mit Eisenerz und Koks befüllt. Das Koks diente als Brennstoff unter Zuhilfenahme des Heißwindes aus den Winderhitzern, während das Eisenerz den Rohstoff für die Gewinnung des Roheisens darstellte.

The blast furnace’s charging platform. The technology in Neunkirchen is antiquated, charging was still done via vertical lifts. The ore buckets were transported to the charging funnel via a monorail system. The blast furnace was alternatively filled with iron ore and coke. The coke served as fuel, using the hot wind supplied by the Cowper stoves, while the iron ore provided the raw material for the pig iron.

Der Ofenpanzer. Während unserer Führung kam die Frage auf, welchem Zweck die Vorrichtung auf dem zweiten Bild dient. Leider wusste unser Hüttenwegführer auch keine Antwort. Vielleicht weiß jemand da draußen mehr?

The shell of the blast furnace. During our tour, the question came up just what the purpose of the device in the second photo was. Unfortunately, our tour guide didn’t know the answer either. Maybe someone out there knows more?

Hochöfen werden im Inneren unsäglich heiß. Um eine Beschädigung des Ofenpanzers zu verhindern, sind Hochöfen von innen feuerfest ausgemauert und verfügen außen außerdem über ein wassergestütztes Kühlsystem. Auf diesem Bild sind zahlreiche Kühlkästen zu sehen.

Der frisch aussehende Anstrich ist übrigens tatsächlich neueren Datums und dient dem Langzeit-Erhalt der Anlange.

Blast furnaces get insanely hot on the inside. In order to avoid damage to the furnace shell, blast furnaces are equipped with refractory lining on the inside and additionally use a water-based cooling system on the outside. This photo depicts multiple cooling boxes.

The fresh-looking paint job, by the way, is indeed of a more recent date. Its purpose is the long-term conservation of the site.

Durch diese Ringleitung wurde einst der Heißwind aus den Winderhitzern über die daran befestigten Blasformen in den Hochofen geleitet. Wie man auf dem Foto sieht, fehlen an Hochofen 6 sämtliche Blasformen. Zwischenzeitlich war kurz angedacht, eine der verbliebenen Blasformen von Hochofen 2 umzumoniteren, jedoch wurde diese Idee mangels Kompatibilität schnell wieder verworfen: Die Blasformen von Hochofen 6 hatten leider nicht dieselbe Größe wie die von Hochofen 2.

This loop used to transport the hot wind from the Cowper stoves through the tuyeres into the blast furnace. As you can see in the photo, blast furnace no. 6 is missing all its tuyeres. It was briefly considered reassembling one of the tuyres from blast furnace no. 2, but that idea was quickly dropped again due to a lack of compatibility: Unfortunately, the tuyeres of blast furnace no. 6 were a different size than those of blast furnace no. 2.

Ein Blick ins Innere einer der Öffnungen für eine Blasform. Im Laufe der Jahre haben sich Besucher immer wieder Teile des Roheisens und der Schlacke im Inneren abgebrochen und als Souvenir mitgenommen.

A look inside one of the openings for a tuyere. Over the years, visitors have repeteadly broken off pieces of pig iron and slag on the inside and claimed them as souvenirs.

Diese Rinne diente dem Abfluss der Schlacke, die als Nebenprodukt beim Hochofenprozess entsteht. Die Schlacke wird unter anderem im Bauwesen verwendet.

This chute served as a drain for the slag that is created as a by-product of the blast furnace process. The slag is used in construction, among other things.

Und hier wurde schließlich das Roheisen selbst gewonnen. Dazu wurde ein Loch gebohrt, das Roheisen floss durch vorher in Sand vor dem Hochofen geformte Rinnen in einen bereitgestellten Pfannenwagen eines Güterzuges, der das Roheisen dann zur Weiteverarbeitung ins nächstgelegene Stahlwerk transportierte. Nach Beendigung des Abstichs wurde das Stichloch mit der Stopfmaschine, die auf der rechten Seite des Bildes zu sehen ist, wieder verschlossen.

And this, finally, was where the pig iron itself was extracted. For this purpose, a hole had to be drilled, the pig iron then flowed through ridges prepared in the sand in front of the furnace into the torpedo car of a freight train, which then hauled the pig iron to the next steel plant for further use. After the run-off was completed, the taphole was plugged again using the machine seen to the right.

Eine Schautafel mit Informationen zu Hochofen 6.

A chart with information on blast furnace no. 6.

Mehere alte Lokomotiven mit Pfannen- und Schlackewagen.

Several old locomotives with ladle and slag cars.

Der ehemalige Wasserturm wurde umgebaut und beherbergt heute als „Cinetower“ mehrere Kinos.

The former water tower has been remodeled and now houses several movie theaters under the name „Cinetower“.

Der einzige Teil des ehemaligen Werkes, der nach wie vor seine alte Funktion erfüllt, ist der Gasometer, der heute Gas für das nahegelegene Stahlwerk speichert.

The only part of the former plant that’s still serving its original function is the gas holder that stores gas for the nearby steel plant these days.

Die obligatorische Schautafel mit Informationen zum Gasometer.

The obligatory chart with information on the gas holder.

Verschiedene Maschinenteile, die im Hüttenpark verteilt liegen und einen Eindruck von Funktion und Abmessungen von Walzen und Antriebselementen geben sollen.

Various pieces of machinery that lie scattered in the ironworks park and are supposed to give an impression of the function and the dimensions of the wheeling machines and engine elements.

Diese Skulptur des japanisch-deutschen Künstlers Seiji Kimoto erinnert an ein dunkles Kapitel der Geschichte Neunkirchens: Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten über fünftausend fremdländische Zwangsarbeiter auf der Neunkircher Eisenhütte.

This sculpture by Japanese-German artist Seiji Kimoto reminds of a dark chapter in Neunkirchen’s history: During World War II, over five thousand foreign forced laborers worked at Neunkirchen Ironworks.

Das im Laufe des letzten Jahrhunderts mehrmals umgesetzte Stumm-Denkmal befindet sich heute in der Neunkircher Innenstadt zwischen Saarpark-Center und Galeria Kaufhof. Es zeigt Carl Ferdinand von Stumm-Halberg, unter dessen Leitung das Neunkircher Eisenwerk ab 1858 seine Blütezeit erlebte. Stumm war jedoch nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer, sondern auch ein konservativer Politiker, der Bismarcks Sozialgesetzgebung und die sozialdemokratische Bewegung bekämpfte. Als radikaler Gegner jeglicher Arbeitnehmerinteressen ging er gegen Gewerkschafter in seinem Betrieb mit fristlosen Kündigungen vor.

Historische Ansichten des noch aktiven Eisenwerks aus den 70er Jahren kann man übrigens hier finden. Wer mehr über die Funktionsweise von Hochöfen erfahren will: Keine Sorge, dies war nicht das letzte Hüttenwerk, das ich besucht habe.

The Stumm monument, relocated several times over the course of the past century, is located in downtown Neunkirchen between the Saarpark-Center and the Galeria Kaufhof department store. It depics Carl Ferdinand von Stumm-Halberg, under whose leadership the Neunkirchen ironworks plant flourished beginning in 1858. In addition to being a successful businessman, however, Stumm was also a conservative politician who fought Otto von Bismarck’s social legislation and the social democratic movement. As a radical opponent of any kind of employee interests, he dismissed union members in his company without notice.<

Historic views of the still active ironworks plant from the 1970s can be found here, by the way. Anyone who wants to learn more about how a blast furnace works: Don’t worry, this won’t be the last ironworks plant I visited.

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