Völklinger Hütte / Völklingen Ironworks

Der zweite Teil meiner Reise durchs Saarland führte mich nach Völklingen. Dort befindet sich ebenfalls ein ehemaliges Hüttenwerk, die 1986 stillgelegte Völklinger Hütte, die heute nicht nur unter Denkmalschutz steht, sondern 1994 gar ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Die ganze Anlage wird als Museum betrieben und ist gegen Erwerb einer Eintrittskarte vor Ort frei begehbar. (Ich habe 15 Euro gezahlt; mehr Details zu den Öffnungszeiten und Eintrittspreisen auf der Webseite der Völklinger Hütte.)

Leider war ich so wahnsinnig, die Fahrt von Neunkirchen nach Völklingen mit dem Fahrrad zu unternehmen. Aus dem Ruhrgebiet kenne ich halt nur ebenes Gelände. Nie hätte ich geahnt, dass es im Saarland so viele Berge gibt! Als ich abends wieder im Hotel ankam, war ich völlig geplättet.

The second part of my journey through the Saarland led me to Völklingen, a city that is home to another former ironworks plant. Völklingen Ironworks („Völklinger Hütte“ in German) was decommissioned in 1986 and is not only under monument protection today, but was in fact added to the list of UNESCO World Cultural Heritage Sites in 1994. The entire site is maintaned as a museum and can be freely walked around in; you only need to purchase a ticket on site. (I paid 15 Euros; more details on opening hours and admittance fees on the official Völklingen Ironworks website.)

Unfortunately, I was insane enough to make the trip from Neunkirchen to Völklingen by bike. As a resident of the Ruhr area, I’m only used to an even territory. I’d never have guessed that there are so many mountains in the Saarland! When I finally arrived back at the hotel in the evening, I was completely exhausted.

Die Völklinger Hütte von der Rathausstraße in der Innenstadt aus gesehen. Während Neunkichen (siehe den vorangegangenen Beitrag zum Alten HüttenAreal Neunkirchen) den Strukturwandel geschafft hat und sich heute als moderne Stadt mit attraktiver Innenstadt präsentiert, erinnert Völklingen eher an Stadtviertel, wie man sie in nahezu jeder Stadt des Ruhrgebiets findet. Ich würde nicht so weit gehen, von einem „sozialen Brennpunkt“ zu reden, aber der Unterschied zu Neunkirchen ist schon auffällig.

Völklingen Ironworks as seen from the Rathausstraße in downtown Völklingen. Whereas Neunkirchen (see the previous report on the „Altes HüttenAreal Neunkirchen„) has successfully managed the structural change and presents itself as a modern city with an attractive downtown these days, Völklingen reminds me more of districts as found in nearly every major city in the Ruhr area. I wouldn’t go so far and call it a „deprived area“, but the difference when compared with Neunkirchen is glaring.

Die Völklinger Hütte vom gegenüberliegenden Ufer der Saar aus gesehen. Im zweiten Bild erkennt man links vor dem Hochofen die Gasreinigung.

Völklingen Ironworks as seen from the opposite shore of the Saar. In the second photo, the gas cleaning plant can be seen in front of the blast furnace on the left.

Zu den noch aktiven Anlagen des Werks gehören diese beiden Gasometer, die auf dem ersten Bild von der Gichtbühne der Völklinger Hütte aus zu sehen sind (im Vordergrund eine der alten Gichtgasleitungen) und auf den beiden anderen Bildern vom gegenüberliegenden Ufer der Saar. Beim größeren der beiden handelt es sich um einen Scheibengasometer, beim kleineren um einen Teleskopgasometer. Die Gasometer werden heute vom benachbarten Stahlwerk der Saarstahl AG genutzt.

The few installations of the plant that are still in use today include these two gas holders, which are seen from the charging platform of Völklingen Ironworks on the first photo (with one of the old gas pipes in the foreground), and from the opposite shore of the Saar on the other two photos. The larger of the two is a „dry seal“ gas holder, the smaller one a telescopic gas holder. The two gas holders are used by the neighboring steel plant operated by Saarstahl AG these days.

Im benachbarten, noch aktiven Werksteil der Saarstahl AG befindet sich außerdem dieser moderne Gasometer, der 2008 in Betrieb gegangen ist.

This modern gas holder, which was put into service in 2008, is standing in the neighboring, still active part of the plant operated by Saarstahl AG.

Die Völklinger Hütte vom Eingangsbereich des Globus-Marktes in Völklingen aus gesehen, im Vordergrund der Alte Bahnhof Völklingen.

Völklingen Ironworks as seen from the entrance area of the Völklingen Globus hypermarket, with the old Völklingen train station in the foreground.

Die Völklinger Hütte von der Rathausstraße in der Nähe der Brücke über die Saar aus gesehen. Im Vordergrund eine aktive, moderne Gasleitung mit Schutzanstrich.

Völklingen Ironworks as seen from the Rathausstraße near the bridge over the Saar. That’s a modern, active gas pipe with a protective paint job in the foreground.

Die Völklinger Hütte vom Völklinger Platz aus gesehen. Links außerhalb des Bildes befindet sich der Eingangsbereich zum Weltkulturerbe.

Völklingen Ironworks as seen from the Völklinger Platz. The entrance area to the World Cultural Heritage is located outside of the image frame to the left.

Eine Schautafel im Eingangsbereich informiert die Besucher über die Geschichte der Völklinger Hütte.

A chart in the entrance area informs visitors about the history of Völklingen Ironworks.

Zwei einsame Winderhitzer neben der alten Sinteranlage.

Two lonely Cowper stoves next to the old sinter plant.

Die Völklinger Hütte in ihrer ganzen Breite von der Gebläsehalle aus gesehen.

Völklingen Ironworks in its entirety as seen from the blast house.

Eine Diesellok mit einem Güterwaggon nahe dem Eingangsbereich.

A diesel locomotive with a freight car near the entrance area.

Die Hochofengruppe vom Eingangsbereich aus gesehen.

The blast furnace group as seen from the entrance area.

Ein Diagramm im XXL-Format, das anschaulich den Hochofenprozess erklärt. Im Gegensatz zu den meisten Informationstafeln im Bereich der Völklinger Hütte ist dieses „nur“ zweisprachig auf Deutsch und Französisch gehalten.

A diagram in XXL format that illustrates the blast furnace process comprehensively. Unlike most charts at Völklingen Ironworks, this one is „only“ bilingual, in German and French.

Die meisten Informationstafeln der Völklinger Hütte sind dreisprachig (Deutsch, Französisch und Englisch) gehalten. Diese hier erklärt im Gegensatz zu den meisten anderen nicht die Funktion einer Anlage, sondern informiert über den Einsatz von Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs.

Most text charts at Völklingen Ironworks are trilingual (German, French and English). Unlike most of the others, this one doesn’t explain the purpose of an installation, but informs about the use of forced laborers during World War II.

Das hier ist die Kokerei, in der das Koks für die Hochöfen erzeugt wurde.

This is the coking plant, where the coke for the blast furnaces was produced.

Die Maschinenseite der Kokerei mit den Koksofenbatterien und einer der zwei Kokskohlenstampfmaschinen, mit der die zuvor in den Kohlemühlen gemahlene Kohle zusammengepresst und anschließend in die Koksofenkammern eingeschoben wurde, wo sie dann zu Koks verarbeitet wurde.

The machine side of the coking plant with the coke oven batteries and one of the two coke ramming machines, which compressed the coal that had previously been milled in the coal mills and then pushed it into the coke oven chambers, where it was then processed into coke.

Die Koksseite der Kokerei. Hier wurde der glühende Koks aus den Ofenkammern gedrückt, fing sofort an zu brennen und musste mit Wasser gelöscht werden.

The coke side of the coking plant. Here, the glowing coke was pressed out of the oven chambers, immediately started to burn and had to be quenched with water.

Der Koksschrägaufzug, über die der Koks von der Kokerei auf die Gichtbühne der Hochofenanlage transportiert wurde, befand sich zur Zeit meines Besuchs gerade in Reparatur.

The inclined coke lift, which transported the coke from the coking plant to the charging platform of the blast furnace group, was undergoing repairs at the time of my visit.

Das komplette Panorama der Hochofengruppe mit dem Eisenerzschrägaufzug und den Winderhitzern. Der weltweit einmalige Schrägaufzug transportierte das Rohmaterial aus der Möllerhalle hoch auf die Gichtbühne. Leider war er auch mit einer der Gründe dafür, dass sich die Völklinger Hütte letztendlich nicht mehr rentierte: Da der Schrägaufzug die gesamte Hochofengruppe mit Eisenerz versorgte und für eine Höhe von exakt 27 Metern ausgelegt war, konnten die Hochöfen anders als in anderen Werken nicht vergrößert werden, so dass Völklingen auf Dauer nicht mit dem technischen Fortschritt der Eisen- und Stahlindustrie mithalten konnte.

The entire panorama of the blast furnace group with its inclined iron ore lift and the Cowper stoves. The inclined lift, which is unique in the entire world, transported the raw materials from the burden shed up to the charging platform. Unfortunately, it was also one of the reasons why Völklingen Ironworks wasn’t profitable anymore in the long run: Because the inclined lift was designed for a height of exactly 27 meters (that’s a little over 88 feet for the Americans among you), the blast furnaces couldn’t simply be rebuilt larger, as was the normal procedure in other ironworks plants, and therefore Völklingen ultimately wasn’t able to keep up with the technological progress in the iron and steel producing industry.

Die Möllerhalle. Hier wurden die verschiedenen Rohstoffe, mit denen die Hochöfen beschickt wurden, gelagert und zusammengestellt. Dazu gehörten neben Eisenerz auch Metallschrott, Sinter, Kalk und Koks.

The burden shed. Here, the various raw materials used to charge the blast furnaces were stored and composed. Aside from iron ore, those also included scrap metal, sinter, lime and coke.

Bevor wir den Hochofen erklimmen, noch ein letzter Blick auf den unteren Teil der Winderhitzer.

Before we climb the blast furnace, one final look at the lower portion of the Cowper stoves.

Und hier sind sie vom Maschinenhaus des Erzschrägaufzugs aus gesehen. Hinweis: Genau wie in Neunkirchen besteht auch in Völklingen für die Gichtbühne Helmpflicht! Die Helmausgabe befindet sich in der Nähe des Aufgangs zur Gichtbühne.

And here they are as seen from the machine house of the inclined ore lift. Note: Just like in Neunkirchen, helmets are also mandatory for the charging platform in Völklingen! Helmets are available near the staircase leading up to the charging platform.

Ein kleiner Eindruck von dem Gewirr aus Stahlträgern, Rohren und Laufstegen im Inneren der Anlage.

A small impression of the maze of steel columns, pipes and catwalks inside the plant.

Kokerei und Koksschrägaufzug von der Gichtbühne aus gesehen.

The coking plant and the inclined coke lift as seen from the charging platform.

Ein Blick ins Innere des Erzschrägaufzaugs von der Gichtbühne aus.

A look inside the inclined ore lift from the charging platform.

In Völklingen wurde das Eisenerz genau wie in Neunkirchen in Erzkübeln über eine Hängebahnanlage zu den Hochöfen transportiert.

In Völklingen, ore buckets were used to transport the iron ore to the blast furnaces via a monorail system, just like in Neunkirchen.

Ein Fülltrichter zur Begichtung eines Hochofens. Hier wurde abwechselnd Möller und Koks eingefüllt.

A charging funnel used to charge a blast furnace. Burden and coke were alternatively filled in here.

Winderhitzer mit frisch aussehendem Schutzanstrich.

Cowper stoves with a fresh-looking protective paint job.

Ein rostiger Winderhitzer mit abgenutzem Schutzanstrich.

A rusty Cowper stove with a worn protective paint job.

Der höchste für Besucher zugängliche Punkt der Völklinger Hütte befindet sich ebenfalls auf einer Winderhitzer-Gruppe.

The highest point of Völklingen Ironworks open to visitors is also located on top of a group of Cowper stoves.

Das Gewirr von Gichtgasrohren oberhalb der Hochöfen. Eines der Nebenprodukte des Hochofenprozesses ist Gichtgas, ein giftiges und leicht brennbares Gas, das unter anderem zur Energieerzeugung genutzt werden kann. Da nicht immer so viel Gas benötigt wird, wie in den Hochöfen freigesetzt wird, befinden sich an der Spitze der Rohre Ablassventile, auch „Bleeder“ genannt, über die das Gas bei zu hohem Druck abgelassen werden kann. Damit dies nicht zu oft nötig ist (schließlich ist Gichtgas hochgiftig!), kann überschüssiges Gas zunächst in einem Gasometer gespeichert werden.

The maze of furnace gas pipes on top of the blast furnaces. One of the by-products of the blast furnace process is furnace gas, a toxic and highly flammable gas that can be used to generate power, among other things. Since the amount of gas generated in the blast furnaces isn’t always needed, the excess gas can be released through the bleeder valves on the very top of the pipes if the pressure becomes too high. In order to avoid this being necessary too often (after all, furnace gas is highly toxic!), excess gas can be temporarily stored in a gas holder.

Die Gasreinigung. Hier wurde das freiwerdende Gichtgas von Verunreinigungen befreit. Auf dem zweiten Bild ist im Hintergrund das moderne Stahlwerk der Saarstahl AG zu erkennen.

The gas cleaning plant. Here, impurities were removed from the generated furnace gas. In the second photo, the modern steel plant operated by Saarstahl AG can be seen in the background.

Ein Blick auf die Hochöfen selbst.

A look at the blast furnaces themselves.

Der Panzer eines Hochofens.

The shell of a blast furnace.

Das Kühlsystem für den Hochofen mit Kühlkästen, wie sie auch in Neunkirchen zum Einsatz kamen.

The cooling system for the blast furnace with the same type of cooling boxes also used in Neunkirchen.

Der Schlackeabfluss. Ebenfalls zu sehen sind einige Blasformen, auch wenn leider nicht mehr alle vorhanden sind.

The drain for the slag. Some tuyeres can also be seen, although some of them are missing, unfortunately.

Und, schließlich, das Stichloch für das Roheisen. Wie schon im Bericht zum Neunkicher Werk erklärt, musste das Loch für jeden Abstich aufgebohrt werden.

And, finally, the taphole for the pig iron. As already explained in my report on the Neunkirchen Ironworks site, the hole had to be drilled open for each run-off.

Die Stopfmaschine, mit der das Stichloch nach Beendigung des Abstichs wieder verschlossen wurde.

This machine was used to plug the taphole once a run-off had been completed.

Eine Lok mit einem Schlackewagen.

A locomotive with a slag car.

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